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Regionalfenster im Programm von RTL und SAT.1

Die vorliegende Untersuchung der Regionalfenster von RTL und SAT.1 bietet erstmals eine umfassende, sowohl anbieter- als auch ländervergleichende Analyse der Regionalberichterstattung der beiden größten privaten Fernsehveranstalter in Deutschland. Die Studie wurde von den Landesmedienanstalten der Bundesländer Schleswig-Holstein, Hamburg, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Hessen, Rheinland-Pfalz und Bayern kooperativ beim Institut für Medienforschung Göttingen&Köln (ImGö) in Auftrag gegeben. Den Kern der Untersuchung stellt die Inhaltsanalyse einer vierwöchigen Programmstichprobe von 12 Regionalfenstern in acht Sendegebieten dar. Ferner wird anhand von Fallstudien ermittelt, welche Qualitätsvorstellungen ‘normale’ Fernsehzuschauer mit Informationsangeboten verbinden. Eine weitere Dimension der Studie besteht darin, dass britische und französische Regionalfenster privater Fernsehveranstalter als Kontrastierung zu den entsprechenden Programmleistungen in Deutschland untersucht werden. Die Studie ist zugleich ein Beitrag zur Methodeninnovation in der Medienforschung. Für die Analyse wurde ein neuartiges Instrument zur Bewertung fernsehjournalistischer Qualität entwickelt und angewandt, das im Schnittpunkt zwischen quantitativer und qualitativer Inhaltsanalyse steht.

Ergebnisse der Untersuchung

Die Untersuchung zeigt, dass die Programmrealität der landesweiten Regionalfensterprogramme privater Fernsehveranstalter in Deutschland eine große Spannbreite hat: Diese reicht von Boulevardmagazinen - bei denen die Unterhaltungspublizistik vor der Informationsleistung rangiert - bis hin zu sachlich präsentierten, vielfältig und flächendeckend informierenden Regionalmagazinen. Die SAT.1-Regionalfenster auf der einen Seite und diejenigen von RTL auf der anderen weisen innerhalb ihrer ‘Programmfamilie’ ein jeweils ähnliches Profil auf. Es lässt sich feststellen, dass der Grad der sachlichen Berichterstattung bei den SAT.1-Regionalfenstern im Durchschnitt deutlich höher ist als bei denjenigen von RTL. Die Politikberichterstattung ist in den SAT.1-Regionalfenstern etwas stärker vertreten als bei den RTL-Regionalfenstern. Erheblich höher ist bei den meisten SAT.1-Regionalfenstern der Anteil der tagesaktuellen Berichterstattung. Insgesamt erscheint es so, dass die SAT.1-Regionalfenster ihre Programmkonzeption dichter am eigentlichen Programmauftrag - ein tagesaktuelles Informationsmagazin mit Landesberichterstattung zu senden - ausrichten als dies bei den RTL-Regionalfenstern der Fall ist.

Alle untersuchten Regionalfenster lassen eine Fokussierung auf Human-Touch-Berichterstattung erkennen. Hierbei ist allerdings eine erhebliche Bandbreite (zwischen 23 Prozent und 56 Prozent der Nettosendezeit) festzustellen. Deutlich wird, dass - insbesondere bei einigen RTL-Regionalfenstern - etliche Programmkonzeptionen stark auf Unterhaltungspublizistik ausgerichtet sind, so dass für eine breite und tiefe Berichterstattung über das politische, wirtschaftliche, gesellschaftliche und kulturelle Leben in den Ländern wenig Raum bleibt. Entsprechende Programmkonzeptionen, die im Ergebnis zu einem Boulevardmagazin führen, sind allerdings nicht zwingend für privat produzierte Regionalmagazine: Auch im privaten Fernsehen in Deutschland können landesweite regionale Fensterprogramme produziert werden, die ihren Programmauftrag, nämlich vielfältig über das politische, wirtschaftliche, soziale und kulturelle Leben in den Ländern zu berichten, weitgehend erfüllen. Dies belegen die Untersuchungsergebnisse für die Programme SAT.1 17:30 Live für Bayern, SAT.1 17:30 Live aus Hamburg sowie SAT.1 17:30 Live aus Mainz und Guten Abend RTL - Hessen.

Einen Sonderfall im Kontext der vorliegenden Untersuchung stellt das Magazin RNF Life dar, das als Ballungsraumfernsehen für das Rhein-Neckar-Dreieck produziert wird. Dieses Programm informiert vielfältig und in faktenorientierter Präsentation über das Geschehen im Sendegebiet. RNF Life und das Hamburger SAT.1-Regionalfenster machen deutlich, dass die Berichterstattung über einen urbanen Kommunikationsraum leichter zu bewerkstelligen ist und Ballungsraumfernsehen auch unter privaten Produktionsbedingungen zu publizistisch guten Ergebnissen führen kann. Andererseits belegen die Programme der Regionalmagazine für Bayern, Rheinland-Pfalz und Hessen, dass auch in Flächenstaaten landesweite Regionalmagazine im privaten Fernsehen mit hinreichendem Leistungspotential für große Berichterstattungsregionen möglich sind.

Die journalistische Qualität der Berichterstattung weist ein breites Spektrum auf. Im Durchschnitt können die Präzision, die Plausibilität, die Ausgewogenheit und der Einbezug von Hintergrundinformationen als befriedigend bezeichnet werden. Relativ gut gelöst ist die filmhandwerkliche Umsetzung der Themen in vielen Magazinberichten, vor allem wird eine große Text-Bild-Schere bei der Produktion vermieden.

Dass journalistische und filmhandwerkliche Qualität nicht nur Kategorien innerhalb professioneller Normsysteme sind, zeigen die Ergebnisse zur Ermittlung eines rezipientenorientierten Qualitätsbegriffs. Die Zuschauer haben durchaus Qualitätsvorstellungen und -anforderungen an die Informationsleistungen von Fernsehprogrammen, die sich weitgehend mit den professionellen Normanforderungen decken.

Die Analyse der britischen und französischen Regionalfensterangebote privater Fernsehveranstalter zeigt Folgendes: Die französischen Regionalfenster sind in ihrer Grundstruktur markant vom deutschen Programmformat unterschieden. Die britischen Regionalfenster haben hingegen im Programmformat der regionalen News-Magazine zahlreiche Parallelen zu den deutschen Produktionen. Auffallend ist hierbei das journalistische Selbstverständnis: es gelingt dort häufig, die Themen hintergründiger und tiefgehender aufzuarbeiten als dies bei der Mehrzahl der untersuchten deutschen Regionalmagazine der Fall ist.

Der vollständige Text ist dokumentiert in:
Helmut Volpers / Christian Salwiczek / Detlef Schnier: Regionalfenster im Programm von RTL und SAT.1. Eine vergleichende Inhaltsanalyse von Programmangeboten und journalistischer Qualität. Opladen 2000 (Schriftenreihe Medienforschung der Landesanstalt für Rundfunk Nordrhein-Westfalen; Bd. 34)

Abstract als PDF-Datei


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